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Ranjana Empt, 23 Jahre, Bologna

Im Ausland studieren wollte Ranjana Empt schon immer, auf jeden Fall im Süden. Und dann wurde es plötzlich doch knapp. „Am Tag, an dem die Bewerbungsfrist endete, fiel es mir plötzlich ein: Hilfe, du wolltest doch ins Ausland“, sagt Ranjana und lacht. „Ich bin dann sofort aus der Vorlesung raus, habe mein Motivationsschreiben auf einen Zettel gekritzelt und abgegeben. Am nächsten Tag hatte ich die Zusage.“ Ihr Traum erfüllt sich - ein Jahr als Erasmus-Studentin weg von Zuhause. Dass sie demnächst an der ältesten Universität Europas, in Bologna in Italien lernen würde, wurde der Deutschen erst nach und nach bewusst.

Nun lebt die blonde Studentin seit zehn Monaten in Bologna und kann sich ihr altes Leben in Köln kaum noch vorstellen. Wenn Ranjana vom italienischen Leben spricht, leuchten ihre blauen Augen. „Hier ist alles lockerer, Pünktlichkeit wird z. B. nicht so genau genommen. Trotzdem sind die Italiener total ehrgeizig und lernen viel“. Die Deutsche hat sich den Gewohnheiten schon angepasst, mittags bleibt sie wegen der Hitze zuhause und abends dreht sie mit ihren Freunden ein paar Runden durch die schöne Altstadt Bolognas. „Das machen hier alle, man verabredet sich nicht fest, sondern läuft rum und guckt, wen man trifft. „Fa un giro“, heißt das auf Italienisch.“, berichtet Ranjana.

Die Universität in Bologna wurde Ende des 11. Jahrhunderts gegründet und die einzelnen Fakultäten sind bis heute in der ganzen Stadt verteilt. Ranjana studiert Geschichte und Theologie und nutzt wie alle Studenten die uralten Bibliotheken, die noch mit antiken Stadtwappen und Gemälden verziert sind.
Wahrzeichen von Bologna sind die beiden Türme, der Torre Asinelli und der Torre Garisende in der Nähe der zentralen Piazza Maggiore. „Auf die Torri darfst du aber erst steigen, wenn du dein Examen bestanden hast. Machst du es vorher, fällst du durch die Prüfung“, erklärt die deutsche Studentin einen italienischen Aberglauben. „Ich kenne keinen italienischen Studenten, der schon auf dem Turm war.“

Ranjana lebt mit einem einheimischen Pärchen in einer Wohngemeinschaft und ist so mitten drin im italienischen Leben. „Als Ausländer verbringt man aber doch die meiste Zeit mit anderen Deutschen oder anderen Erasmus-Studenten“, sagt Ranjana etwas wehmütig. „Eigentlich habe ich ja gedacht, ich finde hier den Mann für´s Leben, schöner Italiener, dolce vita und so“, philosophiert sie mit einem Augenzwinkern. Ein bisschen Zeit bleibt ihr noch, um auch diesen Traum zu verwirklichen…

Kristin Draheim

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